Der Psychologe Grigoleit, der durch sein Gutachten dafür sorgte, dass uns praktisch über Nacht alle Kinder weggenommen wurden, bezieht sich unter anderem auf die Schriften des Münsteraner Psychologenpaares Dr.Monika Nienstedt und Dr.Arnim Westermann - wie wir wissen, nicht nur in unserem, sondern auch in anderen Fällen 1
Dieses Duo ist alles andere als unumstritten: Bereits 1994 dokumentierte
die Illustrierte "STERN" einen Fall von Kindesentzug durch das Jugendamt
und kommt auf die Rolle der Psychologen zu sprechen:
Sie (Nienstedt/Westermann)demontieren die "romantische Familienideologie".
Sie polemisieren gegen Gesetze und Richtlinien für Jugendämter,
die familiäre Bindungen schützen sollen. Dem Münsteraner Psychologen-Duo
scheint die Familie Hort des Bösen zu sein, das immer wieder Böses
gebiert.2
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Die Kritik an Nienstedt/Westermann bezieht sich hauptsächlich auf ihr Theoriemodell: Da die theoretischen Grundlagen dem psychoanalytischen Denksystem entnommen seien, könnten die Methoden kaum als wissenschaftlich bezeichnet werden. Selbst Nienstedt/Westermann schreiben dazu in der Einleitung ihres durch den Gutachter Grigoleit zitierten Werkes, ihre Erkenntnisse beruhten auf "langjährige praktische Erfahrungen" und seien nicht systematisch ausgewertet 3.
Hier kommt nun ein verhängnisvoller Automatismus in Gang: Aus der wohlmeinenden Grundidee, in Pflegefamilien untergebrachte Kinder von ihren ehemals misshandelnden Eltern fernzuhalten, wird eine verhängnisvolle Kausalkette:
Der Verzicht auf empirische Methoden zugunsten einer psychoanalytischen Theorie erleichtert es dem Gutachter, alle Signale von Kindern und Eltern dem gewünschten Ergebnis unterzuordnen. Aus Kooperation wird Verweigerung von Kooperation. Den Bekundungen der Kinder, die eigenen Eltern wieder sehen zu wollen, wird mit aller Sicherheit unterstellt, nicht den eigentlichen Bedürfnissen der Kinder zu entsprechen. So wird diese Neu-Beelterung zur Falle für betroffene Familien.
Warum diese von der empirischen Forschung widerlegte Theorie in manchen Jugendamtsbezirken immer noch Gehör findet, erklären Kritiker mit ihrer Anziehung auf die Pflegefamilien und die Mitarbeiter der Jugendämter. Diese bekämen klare Lösungen offeriert, anstelle sich der mühsamen Arbeit mit den Herkunftseltern öffnen zu müssen.
Sollten Sie zu diesem Themenkreis weiteres Material haben, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung, wir werden dieses Thema weiter ausbauen.
1 So auch im Falle der Familie Horstmann, deren Gutachten uns vorliegt.
2 Kai Hermann: "Wenn der Staat die Kinder raubt", STERN vom 10.3.94, Seite 106ff.
3Nienstedt, Westermann: "Pflegekinder - Psychologische Beiträge zur Sozialisation von Kindern in Ersatzfamilien", Münster 1995, S.10ff.